Review: Danganronpa V3: Killing Harmony [PlayStation 4]

Das Töten geht in die nächste Runde! Mit Danganronpa V3: Killing Harmony meldet sich Spike Chunsoft und das Danganronpa-Team nach vielen Jahren mit einem neuen Teil der mörderischen Super-Highschoolschüler zurück. Mario Nguyen

Nachdem 2010 und 2012 die ersten beiden Danganronpa-Teile, Trigger Happy Havoc und Goodbye Despair, erschienen, zeigt sich mit Danganronpa V3: Killing Harmony nun endlich ein weiterer Ableger des beliebten Franchises. Doch so wirklich lange mussten wir hier in Europa gar nicht auf den nächsten Teil warten, denn die beiden Vorgänger auf der PlayStation Vita bzw. auf dem PC erschienen erst im Jahre 2016. Alle Hauptteile des Franchises sind Visual Novels, genauer gesagt Visual Adventure Novels. Wir können uns mit unserem Charakter in einem gewissen Rahmen umherbewegen und werden hauptsächlich mit Textboxen und kleinen Rätseln konfrontiert, das Spiel ist also, wie man sagen könnte, im Prinzip ein interaktives Buch. Aber Achtung: Danganronpa V3: Killing Harmony basiert, wie auch schon der zweite Ableger, inhaltlich nicht auf einer der drei Staffeln des Animes, auch wenn es sich bei Killing Harmony um den dritten Teil der Spielereihe handelt.

Das „Killing Game“

Die Danganronpa-Ableger beginnen, ähnlich wie zum Beispiel Pokémon, immer mit einem grundsätzlich-ähnlichem Storyanfang und Grundgerüst. Etwas über ein Dutzend Schüler werden, meist mit Gedächtnisverlust, in einem Gebäude festgehalten. Dort treffen sie den zwielichtigen Bären und Direktor der Schule Monokuma. Dabei wird Ihnen erklärt, dass sie nur aus diesem Gefängnis freigelassen werden, wenn sie einen Mord an ihren Mitschülern begehen. Dieser darf aber nicht im Verlauf eines Klassengerichtes aufgedeckt werden. Auch Danganronpa V3: Killing Harmony baut mit solch einem Prolog auf. Wir blicken dabei durch die Augen von Protagonistin Kaede Akamatsu. Diese wacht ahnungslos in einem Schulspint auf und befindet sich in einer verwahrlosten Schule; mit ihr sind weitere 15 Schüler in der Schule gefangen. Doch sind diese 16 Schüler besonders. Sie sind „Ultimates“ sogenannte Super Highschoolschüler, die zu jeweils einer bestimmten Tätigkeit eine ganz besondere Begabung innehalten.

Gedächtnisschwund

Nachdem wir alle 15 Schüler kennengelernt haben, fällt aber schnell auf, dass hier etwas nicht stimmt. Die Erinnerungen der Schüler scheinen fehlerhaft zu sein. Mit der Zeit erinnern sich die Schüler, durch Monokumas Willen, immer weiter an ihre verlorene Vergangenheit. Doch kann sie das von ihrem Versprechen abhalten, bei diesem mörderischen Spiel nicht teilzunehmen und keinen Mord zu begehen? Die 16 Schüler sind Kaede Akamatsu (ultimative Pianistin), Angie Yonaga (ultimative Künstlerin), Kokichi Oma (ultimativer Mafiosi Boss), Tenko Chabashira (ultimative Aikido Meisterin), Kaito Momota (ultimativer Astronaut), Gonta Gokuhara (ultimativer Insektenspezialist), Himiko Yumeno (ultimative Magierin), K1-B0 (ultimativer Roboter), Kirumi Tojo (ultimatives Hausmädchen), Korekiyo Shinguji (ultimativer Anthropologe), Maki Harukawa (ultimative Babysitterin), Miu Iruma (ultimative Erfinderin), Rantaro Amami (ultimativer ???), Tsumugi Shirogane (ultimative Cosplayerin), Ryoma Hoshi (ultimativer Tennisspieler) und Shuichi Saihara (ultimativer Detektiv). Nach anfänglichem Frieden wird durch Monokumas mörderischen Motiven doch ein Mord begangen. Aber wer von den zahlreichen Schülern hat das Versprechen gebrochenen und hat sich der Verzweiflung hingegeben?

Das friedliche und verzweifelte Leben

Während der Zeit, in der kein Mord begangen wurde, können wir uns mit den restlichen Mitschülern unterhalten und Zeit mit ihnen verbringen. Dadurch erfahren wir nicht nur weitere Details zu ihren Persönlichkeiten, sondern erhalten auch sogenannte Hoffnungsfragmente, mit denen wir Skills für das Klassengericht freischalten können. Außerdem erkunden alle die verschiedenen Abteile der Schule und suchen nach einem Ausweg aus diesem Gefängnis. Nebenbei können wir auch Sammelgegenstände suchen oder in einem Casino um Münzen spielen. Auch ein Liebeshotel gibt es auf dem Schulgelände, dazu will ich aber nichts verraten. Besonders interessant wird es aber dann, wenn ein Mord entdeckt wurde: Haben drei Schüler eine Leiche entdeckt, wird ein Signal aus Monitoren übertragen, welches alle Schüler über den Mord benachrichtigt. Anschließend beginnt die Investigationsphase. Sind Hinweise am Tatort, wer hat kein wasserdichtes Alibi oder hatte sogar jemand Streit mit dem Opfer? Ähnlich wie im Ace-Attorney-Franchise, in dem es auch um Mordaufklärungen geht, müssen wir mittels Point-&-Click-Verfahren so viele Hinweise, wie nur möglich, sammeln, bevor die Schüler von einer weiteren Monitordurchsage von Monokuma, oder einer seiner Bärenkinder, ins Klassengericht geordert werden. Dabei haben Neulinge, bei so vielen Gesprächspartnern, anfangs sicherlich ein eher erdrückendes Gefühl. Aber schon nach wenigen Stunden behält man gut die Übersicht, mit wem man an welchem Ort und zu welcher Zeit reden kann. Außerdem minimiert sich die Anzahl lebender Schüler auch äußerst schnell.

Danganronpas Herzstück – die Klassengerichte

Kommen wir zu dem interaktivsten und spannendsten Teil der Spielereihe: den Klassengerichten. In diesen müssen die verbleibenden Schüler bei Debatten und Verhören herausfinden, wer der Mörder ist. Gelingt ihnen das nicht, werden sie alle, bis auf den eigentlichen Mörder, hingerichtet. Liegen sie richtig, wird nur der Mörder exekutiert. Danganronpa V3: Killing Harmony bietet für die Klassengerichte natürlich wieder neue Gameplayaspekte und Verhörfunktionen um auch alteingesessenen Fans mit Neuem zu dienen. Neue Funktionen sind zum Beispiel die geteilten Meinungen: Sind sich ungefähr die Hälfte der Schüler über einen Aspekt des Tathergangs uneinig, werden sie sich gegenüber aufgestellt und wir müssen das jeweilige Argument jedes Schülers mit einem Gegenargument kontern. Außerdem sind wir in Danganronpa V3: Killing Harmony nun auch in der Lage, nicht mit einem Beweis zu kontern, sondern auch mit einer dreisten Lüge. Damit können wir in besonderen Fällen, auch ohne einen Beweis zu haben, uns durch die Wahrheit bluffen. Besonders hektisch wird es bei den Massen Panik Debatten, in der sich mehrere Schüler angegriffen fühlen und gleichzeitig wild umher argumentieren. Bekannte Gameplay-Elemente wie die normale Debatte, Galgenmännchen oder dem Schlussworträtsel sind natürlich auch hier wieder vertreten und sogar leicht abgeändert. Besonders die geteilte Meinung und die Massendebatten haben mir sehr gefallen und konnten dank hervorragender Musik stark zur Atmosphäre beitragen. Der normale Schwierigkeitsgrad sollte für Neueinsteiger leicht fordernd, aber niemals zu unfair sein.

Allerdings sind mir vereinzelt manche eher unlogische Schlussfolgerungen aufgefallen, die etwas deutlicher erklärt oder umgeschrieben hätten werden sollen, da wir einige Male, trotz richtiger Schlussfolgerung, nicht an der richtigen offensichtlichen Stelle angreifen konnten, sondern über Irrwege gehen mussten und so auch einiges an Energie verloren haben.

Stark ausgearbeitete Charaktere

Wenn sich Danganronpa neben den fulminanten Klassengerichten wegen noch einer Sache auszeichnet, dann sind es die detailvoll entwickelten Charaktere und die Hauptgeschichte, die um sie herum geschrieben wurde. Von ihren Persönlichkeiten und deren Vergangenheiten bis hin zu Äußerlichkeiten passt einfach alles perfekt zusammen. Schnell picken wir uns unsere Favoriten heraus und das Danganronpa-Team schafft es immer wieder, genau diese Favoriten nacheinander umzubringen und den Spieler an den Rand des Wahnsinns zu treiben. Die dichte Atmosphäre zieht einen regelrecht in seinen Bann. Natürlich gibt es bei so vielen Charakteren auch immer Personen, die man am liebsten schnell in einem Mordfall verwickelt haben möchte um sie endlich loszuwerden. Daher waren uns einige Charaktere etwas zu penetrant, überdramatisiert und leider wurde bei einigen viel zu wenig und zu spät in der Geschichte erleuchtet, sodass die Interaktion mit solchen Personen während des Spielverlaufes oftmals zu Müdigkeit des Spielers führt, da jegliche Äußerungen eines Schülers über Kapitel hinweg nutzlos waren. Dies war aber bei so vielen unterschiedlichen Charakteren wohl kein Wunder. Schließlich wurden die Charaktere entwickelt, um äußerst unterschiedlich zu sein. Aber warum sind die Schüler überhaupt abgeschottet in dem Gebäude? Und wer kontrolliert Monokuma? Zur weiteren Story spoilern wir an dieser Stelle nicht, aber Danganronpa strotzt nur so vor unerwarteten Wendungen, die mit der Zeit aber immer weiter Sinn ergeben und wir uns fragen werden, warum wir nicht schon früher auf diese Idee gekommen sind.

Endlich modern

Wie bereits erwähnt, waren beide Vorgänger nur Portierungen der PSP-Variante. Daher konnte Danganronpa nun, da es speziell für die PlayStation 4 und heutige PC-Standards entwickelt wurde, endlich mit schärferen Texturen und grafischen Effekten punkten. Auch wenn Danganronpa kein Vorzeigewerk für grafische High-End-Pracht ist, präsentiert es das Genre des Visual Novells mit beeindruckenden visueller Farbgebungen und Details. Auf der PlayStation 4, auf der das Spiel getestet wurde, lief Danganronpa V3: Killing Harmony durchweg flüssig und es gab keinerlei Spielabstürze. Der Soundtrack ist besonders lobenswert. Die Stücke sind besonders im Klassengericht auf den Beat genau mit dem Gameplay abgestimmt und erzeugen eine Spannung, die einen richtig mitfiebern lässt. Auch während der friedlichen Zeit auf dem Schulgelände oder der Investigationszeit werden zahlreiche Musikstücke passend zur Atmosphäre gespielt. Auch die Synchronstimmen konnten uns überzeugen und waren in beiden Varianten, englisch und japanisch, durchaus passend belegt. Wie die Vorgänger ist auch Danganronpa V3: Killing Harmony wieder nur in englischer Lokalisation in Europa erschienen. Aufgrund der vielen Fachbegriffe sollten befriedigende Englischkenntnisse vorhanden sein.

Danganronpa V3: Killing Harmony jetzt auf amazon.de kaufen!

Fazit

Auch der dritte Teil des meisterhaft-inszenierten Klassenabschlachtungsspiels hat mich wieder von den Socken gehauen. Anfangs musste ich mich wieder an die vielen neuen Gesichter gewöhnen, aber nach den ersten paar Kapiteln habe ich mir dann doch alle Namen merken können. Danganronpa V3: Killing Harmony hat mit Abstand den besten ersten Mordfall des Franchises, den jeder gesehen haben sollte! Einzelne Storyabschnitte gegen Ende des Spiels waren mir aber leider eher ein Graus, aber dies muss jeder für sich selbst herausfinden. Denn eines ist bei Danganronpa immer schon wichtig gewesen … KEINE SPOILER!
Des Weiteren bedanken wir uns bei NIS America für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.

Bilder und Trailer:
© Spike Chunsoft Co., Ltd. “DANGANRONPA” is a registered trademark of Spike Chunsoft Co., Ltd. All Rights Reserved. Licensed to and published by NIS America Inc.
Teilen:
`

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich stimme zu.